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20.11.2013
2. Kontraktlogistik-Tag

"Kontraktlogistik" kritisch hinterfragt

Kontraktlogistik ist für Industrie und Handel nach wie vor ein wichtiges Thema. Das hat auch das große Interesse beim „2. Europäischen Kontraktlogistik-Tag“ des WEKA-Verlags in Wien gezeigt.

Annähernd 100 namhafte Vertreter aus Industrie und Handel zeigten am 14. November 2013 im Austria Trend Hotel Savoyen, Wien, Interesse an Logistikdienstleistern, die gemeinsam mit Kunden aktuelle Kontraktlogistik-Projekte präsentierten. Fachlicher Leiter des Events war Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportlogistik der WU Wien. In seiner Eröffnungsrede erläuterte er die Komplexität der Thematik und die Basis dessen: eine „Win-Win"-Situation für beide Partner

In seinem Vortrag über Logistik-Controlling für Kontraktlogistik verdeutlichte Kummer, wie wichtig es sei, dass sich sowohl Kunde als auch Anbieter mit den Problemstellungen des Partners beschäftigen. Das verladende Unternehmen sollte auch fähig sein, eine Analyse zwischen Eigen- und Fremdleistungen zu erstellen. Erst dann wäre sollte mit der eigentlichen Ausschreibung begonnen werden. Potenzielle Lieferanten könnten dann ein Anforderungsprofil erstellen und damit unterschiedliche Kooperationsszenarien anbieten. Als wichtige Erfahrung in diesem Rahmen nannte Kummer den persönlichen Besuch von Referenzkunden und eine Beurteilung dort wahrgenommener Services.

Ziele müssen definiert werden

Aus der Perspektive der Dienstleister wies Kummer darauf hin, wie wichtig eine klare Definition der Projektziele ist, um nicht schon nach kurzer Zeit mit unvorhergesehenen Veränderungen konfrontiert zu werden, welche die Attraktivität eines Auftrags erheblich reduzieren können. Kummer: „Der Kontraktlogistikmarkt ist derzeit stark umkämpft und zeichnet sich vor allem durch den massiven Auftritt branchenfokussierter Full-Service-Provider aus. Trotz der eher geringen Gewinnspannen beobachten wir einen starken Wettbewerb, dem sich die einzelnen Mitspieler mit klar durchdachten, speziell für sie geeigneten Strategien stellen müssen".

Beispiele dafür seien eine stetige, am Markt orientierte Produktentwicklung und Diversifikation. Im Detail würde dies jedoch von der Spezialisierung und nicht zuletzt von der internationalen Aufstellung des Unternehmens abhängen. Erfolgreich könne hierbei nur derjenige seinen Weg beschreiten, der schon vor dem Start die genauen Ziele seines Projekts kennt, schloss Kummer seine Ausführungen.

„Outsourcingprojekte brauchen für den Start ein gutes Anlauf- bzw. Wechselmanagement und für die permanente Zusammenarbeit eine entsprechende Organisationsstruktur." Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportlogistik, WU Wien
Bild: Weka  


Globale Kontraktlogistiklösungen erfolgreich gestalten

Einen Vortrag über die Globalisierung als „Katalysator" der Kontraktlogistik hielten Martin Kolbitsch, Leiter Produktmanagement Kontraktlogistik, Schenker & Co AG zusammen mit seinem Kunden, Thomas Schlögl, dem Logistikleiter der Doka Industrie GmbH. Mit 160 Vertriebs- und Logistikstandorten in mehr als 70 Ländern ist Doka – das Unternehmen ist vor allem für Schalungsplatten bekannt – besonders international aufgestellt.

Eine Zusammenarbeit mit Dienstleistern, die wie DB Schenker weltweit über Niederlassungen (130 Länder, 2.000 Standorte) und die dazu gehörende lokalspezifischen Erfahrungen verfügen, lag für Doka daher nahe. Das vorgestellte Projekt – rund um die Direktbelieferung des Asiatisch-pazifischen Raumes – erhielt DB Schenker auch aufgrund einer exakten Analyse der Ausgangssituation und einer Kalkulation unterschiedlicher Varianten zu Auswahl der besten Hubs. Durch die Produktion an zwei Standorten in Zentraleuropa, teilweise geringen Losgrößen, schwankender Rohstoffversorgung und die Charakteristik eines eingeschränkt planbaren Projektgeschäfts ergaben sich für Doka lange Transportwege und Transitzeiten, eine träge Reaktion bei Bedarfsänderungen und die Notwendigkeit lokaler Pufferlager mit einer entsprechenden Kapitalbindung.

Anhand der zahlreichen Einflussfaktoren von Vor- und Nachteilen der möglichen Standorte für den neuen Asien-Hub berechnete DB Schenker die für Doka optimale Lösung anhand klarer Kennzahlen. Während Doka weiterhin die Führung und Steuerung der Supply Chain übernimmt, verantwortet DB Schenker genau festgelegte Teilsegmente nach Vorgaben. Ein besonderes Augenmerk kommt dabei den hohen Qualitätsstandards von Doka zu. So kommt im neuen Hub in Johor (Malaysia) Spezialausrüstung für die Handhabung der Ware zum Einsatz. Mitarbeiter von DB Schenker werden im Doka-Werk Amstetten eingeschult, Verpackungsmittel von Doka werden auch in Asien verwendet. DB Schenker stellt damit sicher, dass die nach Asien gelieferte Ware exakt den Qualitätsstandards im österreichischen Doka-Werk entsprechen.

„Obwohl wir den Hub und die Dienstleistung in Malaysia nutzen, haben wir mit DB Schenker einen Vertrag nach österreichischem Recht, da DB Schenker Österreich einen entsprechenden Subvertrag mit DB Schenker Malaysia abgeschlossen hat. Das ermöglicht uns maximale Rechtssicherheit." Thomas Schlögl (li.), Gruppenleiter Transportlogistik, Zentrale Auftragsabwicklung & Spedition, Doka Industrie GmbH
Bild: Weka  

Eine Herausforderung in der Projektumsetzung war die Vereinbarung eines Verrechnungsmodells, obwohl mangels Erfahrung noch keine ausreichenden Volumendaten verfügbar waren. Diesem Risiko für beide Vertragspartner begegnete man, indem für den Betrieb in Johor eine fixe Fläche mit Erweiterungsoption, ein zu 100% variables Handling und ein Bandbreitenmodell definiert wurde, das eine maximal erlaubte Abweichung von einem bestimmten Basisvolumen beschreibt. Für den Nachlauf und die Distribution wurden hingegen bestimmte Raten pro Container (bzw. Lkw) je Destination vereinbart, die monatlich angepasst werden können. Hinzu kommen gestaffelte Frachtraten je Transit-Zeiten, die für Doka frei wählbar sind.

7 Euro kostet ein Online-Paket im Schnitt

Roman Leydolf, Geschäftsführer Systemlogistik Distribution GmbH, widmete sich in seinem Vortrag den rasanten Veränderungen der Logistik durch das starke Wachstum von E-Commerce-Anwendungen. Laut Leydolf sei die E-Commerce-Durchdringung in Österreich zwar noch nicht so weit vorangeschritten wie in Ländern wie Deutschland und Großbritannien, dürfe von den Händlern aber nicht verschlafen werden.

Laut Leydolf würde auch der Lebensmittelhandel in Österreich zunehmend online verkaufen. Er glaubt aber nicht, dass sich die E-Commerce-Schiene in Österreich rasch durchsetzen würde. Regionale Gegebenheiten wie traditionell stark verwurzelte Supermarktketten mit hoher Filialdichte einerseits und die Umgehung gesetzlich geregelter Ladenöffnungszeiten beispielweise via Tankstellen-Shops andererseits seien nicht förderlich für das Online-Geschäft.

Bereits mehrere Anbieter haben aber „Same-Day-Delivery" mit spezifischen Produkten im Angebot und erzeugen damit hohe Anforderungen an Logistikdienstleister, wie etwa eine Vorverlegung des Zeitpunkts der letzten Bestellannahme. Darüber hinaus würden Konsumenten Logistikkosten, die laut Leydolf für eine durchschnittliche Paket-Auslieferung bei durchschnittlich 7 Euro liegen würden, nicht akzeptieren wollen. Die Frage ist laut Leydolf: Wer zahlt hier mehr drauf, Handel oder Logistiker? Eine Zustellung von Montag bis Samstag noch an demselben Tag der Bestellung sei deshalb auch nur in Ballungsräumen machbar – dazu benötige es eine hohe Stopp-Dichte, damit sich die Zustellung auch für den Logistiker rechne.

„Wir bieten mit unserem 'one-stop-shop' alles aus einer Hand und passen unser Produktdesign speziell an österreichische Versender je nach Auftragsgröße und regionale Vorgaben an." Roman Leydolf, Geschäftsführer Systemlogistik Distribution GmbH
Bild: Weka  

Online-Konzepte, für die eine längere Lieferzeit kein Problem darstellt, würden aber durch viele Abholstellen, auch in Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte, profitieren. Die Systemlogistik als Tochter der Österreichischen Post AG könne dieses Anforderungsprofil besonders gut erfüllen, mit derzeit 1.931 Post-Geschäftsstellen und rund 9.600 Fahrzeugen. Systemlogistik sei in der Lage, Lagerlogistik mit dem Fokus auf Kommissionierung in kleinen Endverbraucher-Einheiten, ergänzende Leistungen rund um den Webshop und eine flächendeckende leistungsstarke Paket-Zustellung innerhalb der geforderten Zeit zu realisieren. Diese Möglichkeiten werden aktuell bereits in Anspruch genommen und mit Kundenwünschen stetig weiterentwickelt.

Logistik beeinflusst das Waren-Image

Kai Olschner, Director Contract Logistics AT, HU, CZ, SK, Kühne + Nagel GmbH und
Rupert Schiefer, Vice President Global D&T, Winter Sports Equipment, Amer Sports, präsentierten am Beispiel einer Kontraktlogistik-Lösung für Wintersportprodukte, wie ein Logistikdienstleister das Image der Waren seiner Kunden steigern kann.

Kühne + Nagel stellt die weltweite Distribution und den Transport des kompletten Wintersport-Equipments von Amer sicher. Dabei wird auf besondere Weise pünktlich, schnell, flexibel und effizient gearbeitet, was sich beispielsweise durch die daraus folgende Verfügbarkeit und Schadensfreiheit der Waren bis zum Endkunden hin bemerkbar mache. Trotz der hohen Kundenanforderungen bezüglich Flexibilität, kurzen Lieferzeiten und den dynamischen Beständen von Fertigware werde eine maximale Kosteneffizienz sichergestellt, so Kai Olschner.

Logistik mit höchsten Qualitätsstandards beeinflusst das Markenimage positiv: Kai Olschner, Director Contract Logistics AT, HU, CZ, SK, Kühne + Nagel GmbH
Bild: Weka  

Hinzu kämen Value-Added-Services für Amer, die beispielsweise landesspezifische Etikettierung, Verpackung und Palettierung beinhalten. Trotz der großen täglichen Mengenschwankungen und höchster Flexibilität gelingt es Kühne + Nagel laut Rupert Schiefer von Amer, die Qualität der Dienstleistung auf dem geforderten Niveau zu halten und damit das Image und den Vertriebserfolg des Kunden sicherzustellen.

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